Ein Geschenk

Vor einigen Jahren habe ich meine Red Cedar Flute einer Freundin zum Geburtstag geschenkt. Wenn ich sie spielte, kamen nur ein paar krächzende Töne heraus. Bei ihr war das anders. Schon beim ersten Spielen waren die Töne klar und sauber. Ich möchte noch dazu sagen , dass Red Cedar eines meiner Lieblingshölzer für Flöten ist.
Die Hülle der Flöte aber blieb bei mir, denn vielleicht sollte wieder eine Flöte zu mir kommen.
Vor mehreren Monaten schickte mir jemand den Link über eine Frau, die Workshops im Flötenbauen gibt. Ich sah mich auf ihrer Website um und es gefiel mir die Beschreibung ihres Kurses. Ich meldete mich nicht gleich an, erst vor ein paar Wochen fand ich wieder die Email, in der sie mir die Fragen , die ich zum Kurs gestellt , beantwortet hatte. Da war ich dann sicher. Das ist mein Kurs, noch dazu an einem verlängerten Wochenende.
Am Mittwoch nachmittags ging es dann los nach Winden am See, das ist im Burgenland, am Nordufer. Ich hatte nette Vermieter und sozusagen Familienanschluss. Das Wetter war schön aber stürmisch und ich fuhr die nähere Umgebung mit dem Auto ab.
Am Samstag trafen wir uns dann um 10:00 bei der Zigeunerhöhle. Das ist ein Felsblock in der   es mehrere Höhlensysteme gibt. In den 90er Jahren fand man darin Reste von steinzeitlichen Tieren wie Höhlenbären und Wolf, im Nachbarort  bei Arbeiten eine steinzeitliche Siedlung. Ich war also auf geschichtsträchtigem Boden.

Sieben Kursteilnehmer und Gabriele Goebel unsere Kursleiterin.
Irgendwie konnte ich mir nicht so ganz vorstellen, dass die Flöte, die wir bauen auch wirklich klingt.
Mit viel Muskelkraft und Ausdauer ging es ans Aushöhlen der Rohlinge. Auch das "Vogerl" , das Herzstück der Flöte, die das Labium abdeckt musste sorgfältig eingeschnitten und gefeilt werden. Am Abend leimten wir dann unsere Flöten zusammen. Ich hab mir bewusst Zeit gelassen, denn ich wollte aus Unachtsamkeit nichts verpfuschen, denn die Wandstärke brauchte schon Fingerspitzengefühl bei der Feinarbeit. Äste waren Hindernisse, die mehr Zeit in Anspruch nahmen.
Den ganzen Tag über wurden wir vom Gesang der Nachtigallen begleitet und Smaragdeidechsen sonnten sich auf dem Weg aus der Höhle.
Am Abend aßen wir noch eine Kleinigkeit vom mitgebrachten Proviant und dann fuhren alle in ihre Unterkunft. Ich hab mich schon zuhause entschieden die Nacht in der Höhle zu verbringen. Es war wunderschön. Gabi beleuchtete sie noch mit Teelichtern , ich holte meine Trommel aus dem Auto und eine Kursteilnehmerin, die mit ihrem Campmobil unterwegs war, gesellte sich auch zu mir. So unterhielten wir uns ein wenig, die Nachtigallen sangen noch immer. Später trommelte ich noch ein wenig und Susanne, so hieß sie, sang dazu. Es klang wunderschön, denn sie kann Obertonsingen.
Gegen 23:00 ging sie in ihr Auto und ich war allein. Noch schnell das Lager hergerichtet und dann ins Land der Träume, was aber dauerte, denn ich hatte Muskelschmerzen von der ungewohnten Arbeit , der immer gleichen Sitzhaltung und mein Bett war der schottrige Boden. Siebenschläfer besuchten mich , ein paar Fledermäuse flogen aus und ein und dann schliefen auch die Nachtigallen ein. Lange nach Mitternacht bellte ein Rehbock ganz in der Nähe der Höhle und dann schlief auch ich ein. Gegen 4 waren die Nachtigallen wieder wach und begannen ihr Morgenlied. Ich konnte trotzdem gut wieder einschlafen.
Um 9:00 kamen die anderen und weiter ging es mit dem Abschleifen , dem Grifflöcher bohren und der Feinabstimmung. Die Löcher des Labiums mussten gefeilt werden. Dann setzte sie probeweise das "Vogerl" drauf und ich spielte den ersten Ton der Flöte...Es war ein wunderschönes Gefühl.
Jetzt kamen die Grifflöcher dran. Mit einem Bunsenbrenner wurde ein Metallstift zum Glühen gebracht und dann die Löcher an den markierten Punkten eingebrannt. Es rauchte und funkte dabei. Jedes Griffloch wurde extra angespielt und dann erst das Nächste gebrannt. Und dann spielte ich alle Grundtöne der pentatonischen Flöte. Ich war überrascht. Kein Krächzen, kein schräger Ton. Es fühlte sich so anders an als die Flöte, die ich verschenkt hatte. Es war mein Werk - ich habe einem Stück Ast Leben eingehaucht. Ich bin der Schöpfer einer Flöte.
Am Schluss noch kleinere Schleifarbeiten, einölen und fertig war sie. Dann stellten wir unsere Flöten zum Trocknen in die Sonne.

Gabriele war eine sehr umsichtige und gute und herzliche Lehrerin. Ich konnte die Freude in ihren Augen ablesen, wenn wieder jemand die Flöte fertig gebohrt hatte.
Am Ende des Kurses spielte sie dann auf ihrer Trommel und jeder spielte dazu seine Flöte und legte sie dann auf ein größeres Stück Leder neben der Räucherschale.
Als alle fertig waren, smudgte (= Rauchreinigen) sie jede einzelne Flöte und übergab sie uns dann feierlich.

Nun hatte ich meine selbstgebaute Flöte in der Hand. Ich freue mich sehr darüber, denn ich durfte während der Arbeit viel über mich selbst erfahren. Ich merkte, wo Ärger in mir aufkam, aber auch Freude. Ich weiß jetzt, dass aus der Beobachtung anderer, schnelles Arbeiten nicht unbedingt mit schneller Fertig sein verbunden ist. Dass manches Mal Schmerz dazugehört, wenn etwas entsteht, das aus dem Herzen kommt.
Und ich freue mich, dass ich so gearbeitet habe, dass mir kein "Ausrutscher" mit den verschiedenen Schnitzmessern, den Feilen oder dem glühenden Eisen am Holz passiert ist. Freuen deshalb, weil ich mich sehr gut kenne. Nicht einmal ein Pflaster war notwendig.

Es war eine nette Gruppe, es wurde viel gelacht, aber auch sehr konzentriert gearbeitet.

 

Und heute habe ich meine Flöte den Schülern in Musik vorgestellt und ihnen etwas über die Geschichte der Flöte und ihrer Bauweise erzählt.

Ich freue mich schon auf das Kennenlernen dieses für mich besonderen Instrumentes..
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A gift

Some years ago I gifted my friend with a Red Cedarflute to her birthday. She didnt want to talk with me and I tried hard. She started to play and the sound was great. So I knew it was for her the whole time. Its sad she isnt longer my friend she quit. It wasnt easy to give it away because Red Cedar is one of my favourite wood.

I kept the bag of the flute I made of the rest of a Pendletonblanket my friend Buffy of Tennesse gifted me. I thought, maybe another flute will arrive. I also had a dream of a flute a whitehaired man gifted me in a ceremony.

In winter  I heard of a woman who gives classes for flutes making. I was on her website and thought Thats it! I will make the flute by myself....

I booked the class and the time was perfect. Its a three hours ride to the east of Austria to the Neusiedlersee/ Lake of Neusiedel and its a longer weekend. Four days for my own.
On wednesday afternoon I arrived at this nice place. The weather was good but the wind very rough . I did some trips to local places, collected wild roses, they were in bloom, enjoyed the songs of all the birds who are spending their breeding time at this lake. Its famous for birds there. A wide part of the lake is reed and there are still some houses their roof is of reed.

On Saturday at 10:00 was the first meeting in the "Gypsies cave".. There are some caves in this area. They go back to the stoneage because they found bones of bears and wolves in them. I was on historic ground.

Seven persons who wanted to make their own flute and Gabriele the instructor- better said the teacher :-).

I couldnt imagine that the flute I will build will sing with me...

With a lot of physical power and endurance we started to carve out the inner part of the branch. I choose hazelwood. It took us from 11:00 am to 5:00 pm. Then we glued both parts together and put them in the near of the fire.
I decided to sleep in the cave. Around 9 pm everbody went to their lodging, I arranged sleeping bag , blanket sheepfur blanket and rollmat on the rocks.. . One woman who was there in her RV stayed with me at the fire . I did some drumming and she sang Mantras.
After a while we both got tired and went to sleep.
Bats flew in and out, some dormouse were curious who is the foreign person, and the nightingales sang their song I never heard befor. It was wonderful....but it lasted a while till I felt asleep. My bones hurted also the muscles in the arms. I was not used to this kind of job ..lol.

At 9 am the next morning the others came back. Debarking, grinding and rasping was the next. Then Gabriele marked the hole along our fingers and we burnt the fingerholes one by one... Then I should blow the flute the first time. I was nervous.....

I was surprised. It sounded wonderful. It felt so different to the other flute, I gifted this woman. It was my work. I gave a piece of hazelwood life back. It sings for me and with me. I am the creator of a flute. WOW....
At the end some grinding, and a covering with almondoil. Then we put them all in the sun to dry.

Gabriele was a special teacher. Very caring, very calm and encouraging with her words. I could read the pleasure in her eyes, if one of us finished its flute .

At the end of the class she did a ritual. Each of us should play what is in us, then put the flute on the altar where cedar burnt. She smudged every flute and gave it back one by one.
Now I had my flute in the hands. I created it.....and I was so happy. I learned a lot about myself . I experienced getting upset with myself also joy. Pain is part of the process if I give something birth, what comes out of my heart.

And I am glad about myself, because it didnt happen any acident with all the tools I never worked with befor. I know myself. Even no sticking plaster was necessary. lol

It was a wonderful experience. Now I will try to get to know my new friend. Its like reality...piece by piece.....

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Kommentare: 1
  • #1

    Raabenweib (Samstag, 26 Mai 2012 06:28)

    Wow, ich hab deinen Blog erst jetzt entdeckt und bin begeistert. Genau nach Winden wollt ich auch mal aber mir wärs zu teuer gewesen... Und wohin mit Finn...
    Ich freu mich mit dir mit und war gedanklich dabei beim lesen. WUNDERSCHÖN ist sie geworden! Viel Freude damit!
    Herzgruß, Sonja

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  • #1

    Wolfgang Wallner-F. (Dienstag, 10 März 2015 12:32)

    DIE MUSIK IN UNS - IN MIR hat mir sehr gefallen. Das heißt nicht, dass mir sonst nichts gefiel, im ersten Augenschein sogar sehr viel. Liebe Grüße Wolfgang