Mit den Augen der Nacht

Es schneit ganz leise, nur vereinzelt sehe ich die Scheinwerfer eines Autos auf der Umfahrung, das Geräusch des Motors klingt sehr gedämpft. Noch ein wenig ins Freie um den Tag ausklingen zu lassen. Ich gehe aus der Siedlung hinaus Richtung Wald und als ich die Abzweigung bergauf nehme, sind nur mehr Tierspuren, hauptsächlich Hasen, zu sehen. Im alten Obstgarten eines Bauern stehen alte Birnbäume. Sie strecken ihre Äste in die Dunkelheit, durch die schnell dahinziehenden Wolken schimmert der Mond. Es schneit noch immer. Ein Blick  in den Himmel. Schneeflocken oder Sternenhimmel?

Ich bleibe bei einem Baum stehen und schaue auf die Siedlung, in der ich wohne . In den Häusern brennt Licht. Weiter führt mein Weg auf den Wald zu und mitten auf dem Weg stehen wieder zwei Birnbäume. Ich fahre immer an ihnen vorbei, wenn ich im Sommer eine Runde mit dem Rad drehe, habe aber noch nie bei ihnen Halt gemacht. Im Dunkeln nehme ich bewusst die Umrisse des Stammes wahr und er erinnert mich an eine schwangere Frau. Ich gehe näher und umrunde den Baum. Da eröffnet sich mir ein ganz neuer Blickwinkel. Hinter dieser Ausbuchtung verborgen ist eine große Öffnung. Durch das Blitzlicht des Fotoapparats gibt sie mir ihr Innerstes preis, erzählt mir etwas von den Bewohnern.
Bei Tageslicht wäre ich vielleicht vorbei gegangen um in den Wald zu kommen, die Dunkelheit hatte mich heute anders sehen lassen.

 

21.01.2013

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Kommentare: 1
  • #1

    Wolfgang Wallner-F. (Dienstag, 10 März 2015 12:32)

    DIE MUSIK IN UNS - IN MIR hat mir sehr gefallen. Das heißt nicht, dass mir sonst nichts gefiel, im ersten Augenschein sogar sehr viel. Liebe Grüße Wolfgang