Was haben Schnecken und Schlangen gemeinsam?

Auf der Heimfahrt vom Burgenland Anfang Jänner dieses Jahres, machte ich an einem Seitenarm der Leitha Halt, denn ich sah einen Silberreiher im Wasser stehen. Klar wollte ich ihn fotografieren, ließ mein Auto auf einem Waldweg stehen und ging die paar Schritte zurück. Ich war noch nicht in Sichtweite des Reihers, hörte ich schon wie er aus dem Wasser startete und wegflog, flussaufwärts. Auf beiden Seiten war ein Weg, dem folgte ich, denn vielleicht saß er doch irgendwo im Uferbereich.
Vorbeifahrende Autos war er gewohnt, aber einen Spaziergänger nicht.
So wie es mir immer wieder passiert, ich kann einfach die ausgetretenen Pfade nicht gehen und schwenke  seitwärts des Weges ins Unterholz. Ich kam an einem stark bearbeiteten morschen Holzstamm vorbei, der eindeutige Spuren des Schwarzspechts zeigte. Gleich daneben auf dem Boden leere Weinbergschnecken , die ich mit nach Hause nahm.
Und jetzt liegen sie nebeneinander und ich nehme bewusst die Spirale wahr.
"Warum laufen alle Spiralen links herum, im Kreislauf des Mondes? ", frage ich mich.

Jede Schneckenart hat einen bestimmten Bauplan, erklärte mir jemand später: entweder rechts- oder links drehend. Das ist auf der ganzen Welt gleich und es macht keinen Unterschied, ob die Schnecken auf der Süd- oder Nordhalbkugel leben.

Aber 1 von 100 000 verhält sich anders, sie dreht in die entgegengesetzte Richtung und wird im Volksmund dann "Schneckenkönig" genannt, ganz logisch, denn ein König muss anders sein, als das gewöhnliche Volk. Anderer Gedanke: Warum nicht Schneckenkönigin?


Die Spirale ist ein uraltes Symbol und in allen Kulturen seit der Steinzeit zu finden, eingeritzt, eingraviert im Stein, gemalt oder verarbeitet in Skulpturen.

Es wäre eine unendliche Aufgabe, alle Aspekte dieses Symbols seit ihren ersten Funden zu untersuchen und hier niederzuschreiben. 
Ich möchte jetzt einfach schreiben, was ich fühle, nicht was ich irgendwo nachgelesen habe.

Eine Spirale führt immer ins Zentrum und von dort wieder nach außen. Ich bewege mich auf mein Zentrum zu, auf mein Inneres, es führt mich immer ans Ziel. Bewege ich mich nach außen gilt mein Blick dem Horizont, dem was in meinem Blickwinkel ist. Ich bin dabei immer in Verbindung mit dem Faden, der sich mit mir verbindet. Es ist der Faden meiner Ahnen, all die Frauen, die in meiner Linie vor mir waren und mir ihre Kraft , ihr Wissen hinterlassen haben. Ich darf darauf zurückgreifen, wenn es mir gelingt, die Verbindung aktiv herzustellen.

Von außen nach innen. Vom Frühling, über den Sommer, den Herbst und den Winter. Die Zyklen eines Menschen, die sich immer wiederholen.

 

Das Symbol, der in sich zusammengerollten Schlange, die da liegt und schläft. Erwacht sie oder wird sie geweckt, richtet sie sich auf zu ihrer vollen Größe, ihre Augen immer in Verbindung mit meinen Augen, die tief in mich hineinschauen. Sie lässt mich nicht aus mit ihrem Blick, sie ist immer wachsam. Es ist dieses unsichtbare Band, das diese Schlange an mich bindet. Es ist meine Weiblichkeit und es ist meine Aufgabe sie am Leben zu erhalten, sie zu füttern, sie zu pflegen, sie während des Häutens zu schützen , da sie hier am verletzlichsten ist.

Sie hat keine Hände um mich zu berühren, mich fest zu packen. Sie gleitet lautlos dahin, immer in Kontakt mit der Erde, den Kopf leicht erhoben. Erst wenn sie ein interessantes Gegenüber wahrnimmt macht sie Halt und stellt Kontakt mit diesem Wesen her. Ich beobachte, ich schaue, ich berühre sie mit meinen Augen, spüre ihre Schuppen ihre Wärme, spüre ihr pulsierendes Leben, fühle es.

Diese Schlange, sie ist nicht giftig. Ich kann mich ihr ohne Angst nähern. Sie sagt: "Bleib hier und beobachte mich! " Sie liegt einfach da. Ist die Umgebungstemperatur zu kühl wird sie träge, ihre Lebensfunktionen verlangsamen sich. Da liegt sie dann, der Kopf sehr oft Mittelpunkt des eingerollten Körpers. Sie ruht in sich selbst, erinnert mich auch an ein Seil auf einem Segelschiff.
Wird es hingegen wärmer, erwachen ihre Geister und sie zeigt sich mir. Sie richtet ihren Körper auf und automatisch folge ich ihren Bewegungen, die Verbindung hergestellt über ihre Augen.

Sie bittet mich: "Richte dich auf zu deiner vollen Größe, auch wenn die Menschen vorgeben Angst davor haben! Schaue ihnen in die Augen, so wie wir beide uns in die Augen schauen. Ich spüre, du hast keine Angst vor mir. Es ist auch nicht notwendig. Ich spreche zu dir durch die Bewegungen meiner Zunge. Ich taste damit die Umgebung ab, spüre die Schwingungen, die du aussendest, egal in welcher Intensität. Ich teile mich dir mit durch die Bewegungen meines Körpers. Siehst du, wie biegsam ich bin? Alles ist rund, nichts eckig.

Ich spüre, du bist neugierig, möchtest wissen. Lass dir einfach Zeit! Ich bleibe in Verbindung mit dir, wenn du es möchtest.

Jänner 2013

Äskulappnatter Pesenbachtal September 2011
Äskulappnatter Pesenbachtal September 2011

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Kommentare: 1
  • #1

    Wolfgang Wallner-F. (Dienstag, 10 März 2015 12:32)

    DIE MUSIK IN UNS - IN MIR hat mir sehr gefallen. Das heißt nicht, dass mir sonst nichts gefiel, im ersten Augenschein sogar sehr viel. Liebe Grüße Wolfgang