DIE MUSIK IN UNS - IN MIR

Ich bin mit Musik aufgewachsen, mein Vater war Geiger und somit war das Instrument, das ich lernen sollte, vorgegeben. Mit 10 Jahren wurde ich auf sehr klassische Weise im Violinspiel unterrichtet , mein Vater sehr streng beim Üben. Ich lernte schnell, konnte gut vom Blatt spielen, aber ich konnte mir Melodien nicht auswendig merken. Das behinderte mich in meinem freien Spiel. Mit meiner Heirat legte ich die Geige in den Geigenkasten und rührte sie nach 16 jährigem Spiel nie wieder an.

Ich lernte mir selbst Gitarre spielen, weil ich das für den Unterricht brauchte.
Mein zweites Instrument ist die Stimme und ich sang immer schon gern.

Dann war es eine Weile sehr ruhig mit dem Musizieren und sogar mit dem Hören von Musik.

Letztes Jahr im Mai begann dann etwas Neues für mich.
Ich baute mir selbst eine Flöte und begann ohne Noten zu spielen, denn ich hatte nie Flöte spielen gelernt und diese hat keine Barockstimmung, sie ist in Ganztonschritten gestimmt.

 

Manches Mal schenkt einem dann der Zufall etwas, das man sich schon sehr lange gewünscht hat.

Mein Zufall wollte es, dass ich mir ein Paar Waldviertler Schuhe kaufte. Ich auf dem Parkplatz des Geschäftes stand und in der Zeitschrift dieses Unternehmens blätterte, weil ich auf den ÖAMTC wartete, denn mein Kühler streikte. Eigentlich war aber ein Rehbock der Beginn dieser Aktionskette. Er lief mir vor 10 Tagen ins Auto.

Beim Durchblättern las ich von der GEA Akademie in Schrems im Waldviertel und den angebotenen Workshops.
Einer fiel mir sofort ins Auge – genau an diesem WE:

Die Musik in uns | Klang, Rhythmus und Melodie – Elementare Musik
Wieder zuhause rief ich sofort an, ein Platz war noch frei und schon von mir gebucht.

Am Freitag Mittag fuhr ich los.
Die Fahrt führte mich durchs nebelverhangene, mystische und raubereifte Mühl- und Waldviertel.

Am Abend startete der Kurs mit dem Konzert der zwei Referenten.
Musik von J.S. Bach und G. F. Händel trifft Percussion und Improvisation.
Beate Seemann, frei schaffende Konzertcembalistin und Klaus Holsten, viele Jahre Flötist an der Staatsoper in München, beide haben zudem eine reiche Tätigkeit im Bereich Fortbildung für Musikpädagagen und Musiktherapeuten in ihrem Klanghaus in Jasedow in Vorpommern, führten uns ins Reich der Töne und Klänge.

Nach dem Konzert wusste ich, ich hatte mich richtig entschieden so kurzfristig diesen Kurs zu besuchen.

Vor dem Abendessen und auch nach dem Frühstück am Samstag aber noch hinaus in die Natur. Die Gegend um Schrems ist Hochmoor.

Schon die ersten freien Übungen entführten mich ins Reich der Töne, ins Reich des Rhythmus. Ich merke, wie sich etwas in mir öffnet und ganz weit wird.
Ich rede mit den Menschen durch mein Instrument, ich erfahre, dass alles Musik ist, sogar das Schweigen.
Ich erfahre auch, wie schön ein Miteinander und die nonverbale Kommunikation ist.

Hinhören, zuhorchen, ein Dialog der Klänge und Töne. Immer wieder neue Gruppen bilden, immer wieder neue Aufgaben. Mal leise, mal laut, mal schnell und dann langsam, vielleicht sogar die Stimme, aber ohne Worte, Flusskiesel, Totholz zum Leben erweckt, Klangschalen, Gong, viele Rhythmusinstrumente, ein Monochord, ein Saxophon, Querflöten, Blockflöten, meine selbst geschnitzte Flöte, Maultrommeln und ein Didgeridoo, eine Gitarre und verschiedene Trommeln, ein Klavier und das Cembalo. Jeder probierte aus, manches Mal zaghaft, dann immer selbstbewusster, den Raum in Schwingung versetzen uns selbst in Schwingung versetzen, unsere Emotionen, Gefühle hörbar und spürbar machen, verbale Kommunikation nur bei den profanen Handlungen wie Frühstück, Mittagessen und Abendessen.
Die Referenten begleiteten uns in einer sehr einfühlsamen Art zu uns selbst, zur Musik, die in uns war, zu den Tönen, zum Rhythmus und zur Klangfarbe, zu unserer eigenen Kreativität.

Hier nur eine kleine Auswahl.

Wieder einmal durfte ich erfahren, dass Musik eine stark verbindende Komponente zwischen uns Menschen ist, dass nur der Mensch zählt und nicht Alter, Herkunft, Beruf oder musikalische Ausbildung.. Es sind die inneren Bilder, die wir hörbar machen, durch verschiedene Instrumente, letztendlich durch unseren Körper.

In der Beschreibung des Kurses stand:
„Sie werden uns Wege zu den Wurzeln unserer eigenen Kreativität zeigen. Unter ihrer professionellen Anleitung werden wir in der Improvisation mit Rhythmen, Klängen und Melodien erkennen, wie die Musik das Leben selber und die Welt Klang ist. Wir werden erleben, wie Musik entsteht, wenn wir unsere inneren Bilder aufsuchen, uns einer Partnerin oder einem Partner öffnen – oder einfach nur zuhören.“


Genau so ist es auch geschehen.
Es war eine sehr berührende Erfahrung mich Menschen, denen ich vorher noch nie begegnet bin zu öffnen, meine inneren Bilder hörbar zu machen, mir die Bilder der anderen anzuhorchen und gemeinsam ein großes, lebendiges Gemälde zu erschaffen.


Auf der Heimfahrt dann am Rand von Gmünd einfach vom Hauptverkehrsweg weg in einen Feldweg eingebogen um das Erlebte ausklingen zu lassen. Die Sonne, der blaue Himmel, der Wind, das Rauschen der Bäume, das Knirschen des Schnees, das Gluckern eines kleinen Rinnsals, der Schrei von zwei Raben – das ist Musik in ihrer Urform.
Ich fühle noch immer  diese Grundschwingung in mir, die Energie, die an diesem Wochenende frei gesetzt wurde.


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Kommentare: 1
  • #1

    Wolfgang Wallner-F. (Dienstag, 10 März 2015 12:32)

    DIE MUSIK IN UNS - IN MIR hat mir sehr gefallen. Das heißt nicht, dass mir sonst nichts gefiel, im ersten Augenschein sogar sehr viel. Liebe Grüße Wolfgang